Max Pothmann | Autor | Bühnenbild & Requisitenbau | Köln-Bonn
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30.08.2011

Bild des Tages #20

Art in Nature. This Tipi was made by Catherine Coole. Invites hikers to smoke a peace-cigarette before they walk on.

28.08.2011

Nach Süden

Ich hatte mich zurücksinken lassen. Die linke Hand als Kissen unter dem Kopf sah ich auf zum klaren Himmel. Wieder hielt der August sein Versprechen: Pünktlich zum letzten Wochenende fielen die Temperaturen, verschwand die sommerliche Trübung aus der Luft, wurden wir daran erinnert, dass kein Sommer ewig währt. Nichtmal einer in Südfrankreich.
Du hast neben mir gesessen; Knie angezogen, die Arme darum gebunden und das Kinn obendrauf, und du wolltest wie immer doppelt so viel rauchen wie ich, doppelt so viele Worte sagen und doppelt so schnell weiterziehen über den holprigen Pfad, auf dem wir die Anhöhe erklommen hatten.
 Aber die kühle Luft verschlug auch dir die Sprache. Eine ganze Zigarette lang sagtest du kein Wort. Ein Haarsträhne wehte dir um die Stirn wie eine losgerissene Stirnfalte, ein Faden Rauch hing dir für einen Moment an der Unterlippe, bevor der Wind ihn davontrug nach Süden. Nach Süden, wo jetzt noch Sommer ist; in Katalonien, in Andalusien, in Marokko - auf der anderen Seite des Meeres.

27.08.2011

Bild des Tages #19

Lang wünschte ich mir einen Gecko als Mitbewohner. Wenn ich schlafe, frisst er die Haut von meinen schlechten Träumen. Ich hoffe, dieser kleine Kerl bleibt noch ein Weilchen.

26.08.2011

Bild des Tages #18

Neben ihrer Vorliebe für Tabakwaren mag Aschenputtel auch noch meinen Milchkaffee!

25.08.2011

One of the nicer examples for coincidence


Next month it'll be fourteen years, that I climbed up that ridge. It took the best part of the afternoon. My lower legs were full of bloody scratches. Southern plants are full of thorns. When I just reached the top, a friend - let's call him Mr. L. - came up on the opposite side of the small plateau. Together we sat on the edge sharing a walkman-plug in our ears each and watched the sunset.

22.08.2011

Sexy Beast


Vorgestern striff ich Stanley Kubricks Eyes Wide Shut, ohne genauer zu sagen, an welche Bilder ich dachte. Vielleicht vermute ich, dass die von einem Filmgenie satt und golden in Szene gesetzte Sexorgie der Superreichen jedem im Gedächtnis geblieben sein muss, der den Film gesehen hat. Die Party steigt in einem Schloss, wie man es in England, nicht aber in den USA vermuten würde.

Ähnlich, aber bescheidener platziert Jonathan Glazer seine Version dieser Szene in eine Londoner Luxuswohnung. Zu sehen in Sexy Beast (2000), Glazers erstem Langfilm nach einer Serie populärer Werbespots und Musikvideos. Auch hier korpulieren alle wild durcheinander. Die Männer sind oft zähe alte Streifen und die Frauen - im Gegensatz zu Kubricks Darstellung - nicht ausschließlich jung und schön.

Prüde Kritiker bemängelten an diesem Werk die hundertfache Aussprache der Worte fuck und cunt. (Siehe Artikel vorgestern).
So wie der bereits besprochene Film 'Hanna' ist Sexy Beast besonders in der ersten Hälfte klar durchstilisiert. Die Wärme Spaniens kriecht uns durch Glazers graublaue Bilder tief unter die Haut. Ein einfacher Umstand wie der vom Hang in den Pool polternde Felsbrocken wird zum visuellen Fest. Als praktisch erweist sich dieser Unfall auch: In die Delle, die er in den Boden des Beckens reißt, wird kurzerhand das Mordopfer gepackt.

Sexy Beast erzählt von der Schwierigkeit, aus der eigenen Vergangenheit auszusteigen. Dabei liebt Gary Dove (Ray Winston) die Sonne, seinen Pool und den netten spanischen Jungen von nebenan. Zusammen mit einem befreundeten Pärchen genießen er und seine Frau den ruhigen Platz an der Sonne, bis Don Logan ihnen einen Besuch abstattet und mit seinem Jobangebot für Gary alles in Wanken bringt.

Ben Kingsley, für seine Rolle als Don Logan mit dem Nebenrollenoskar nominiert, spielt eines der hochkonzentriertesten Arschlöcher der Filmgeschichte. Im Original ist der Film kaum zu verstehen, so festgeschraubt flucht, rotzt, pisst und schimpft dieser Profigangster von links nach rechts durch das spanische Idyll.

Ein zweites Arschloch von erlesener Qualität bietet Ian McShane, vielen bekannt durch seine Rolle als Reportergeist in Woody Allens Scoop (2006). Nicht nur durch seine visuelle Dichte also unterscheidet sich Sexy Beast vom Gros der Filme. Gute Schurken sind selten. Dabei zahlen sie in Krimis, Actionfilmen und Thrillern die halbe Miete.

20.08.2011

Diät #2

Die Zeit liest man auch in Südfrankreich. Charlotte Roche unterhält sich im Magazin mit Jana Hensel über Sex. Singles sollen schlafen, mit wem sie finden können, ist ihre Empfehlung.

Feuchtgebiete (2008) übrigens: Wenn Bücher oder Filme explizit sexuelle Inhalte haben, ist die Mehrheit der geäußerten Meinungen nicht in der Lage, über Brüste und Körperflüssigkeiten hinweg auf sonst gebräuchliche Qualitätsparameter zu blicken. Eine Standardmeinung zu Stanley Kubricks Eyes Wide Shut (1999) war in den ersten Monaten nach Erscheinung: "Der hat wohl seine sexuellen Phantasien ausleben wollen." Wesentlich wahrscheinlicher gibt diese Aussage einen Einblick in die Phantasien der Meinenden. Eine Machtparabel läßt sich ohne Sex nicht erzählen. Jedenfalls nicht von jemandem, der sichtbar machen will.

Feuchtgebiete ist über all den Körperkram hinweg ein präzise geschriebenes Buch, von dessen sprachlicher Schlichtheit sich so manche ein Scheibchen abschneiden können. Auch wenn 'Kacke-Schwitze' kein schönes Wort ist: Charlotte Roche erfindet einge sehr bunte und lustige.

Jetzt aber zurück zum Thema: Charlotte Roche war magersüchtig, hat sich heilen lassen und spricht darüber so offen, wie man es von ihr gewohnt ist. Folgende Worte las ich, kurz nachdem ich den letzten Artikel geschrieben hatte:

Ich glaube, dass Bilder uns krank machen. Wir sind ständig mit retuschierten Fotos von Frauenkörpern konfrontiert, irgendwann glauben wir, wir müssten so aussehen. Das hat mich krank gemacht. Aber wenn man sich von diesen Bildern fernhält, wird man wieder gesund!

Das passt nicht nur lose zum vorgestrigen Artikel, sondern auch zu meinem Leben hier. Ich sehe kaum Bilder - und ich sehe auch mich selbst kaum. Im Bad gibt es keinen Spiegel. Mein Bart sprießt, wohin er will.
Außerdem fällt mir auf, wie oft man sich in der Stadt gespieglt sieht: In jeder zweiten Glasfassade nämlich. Dem nicht mehr ausgesetzt zu sein, versorgt mich mit einem beträchtlichen Maß an frischer Energie.


18.08.2011

Diät #1

Anstatt an Diäten glaube ich an gesundes Essen, Bewegung und besonders eine gesunde Haltung dem Essen gegenüber. Wie viele Menschen machen tagsüber eine Diät, nur um abends Chipstüten vor dem Fernseher zu leeren?

Kurz mal abbiegen zu einem spannenden Stück Information:

A three-decade long study published in the British medical journal, The Lancet, found that Guatemalan men who had been well-fed soon after they were born earned almost 50% more in average salary than those who had not. The blind trial was performed by giving a high-nutrition supplement to some infants and a lower-nutrition supplement to others, with only the researchers knowing which infants received which supplements. The infants that received the high-nutrition supplement had higher average salaries as adults. (More here.)

Mit dem Internet ist das so eine Sache. Viele von uns Yuppies arbeiten zum Großteil am Computer. Ich checke meine Emails bis zu zehnmal am Tag und weiß, dass ich nicht der einzige bin. Praktisch gesehen gibt es dafür keinen Grund. Selbst wenn in Einzelfällen akut wichtige Mails eintrudeln, geht die Welt nicht unter, falls ich sie erst am nächsten Morgen lese. Eine interessante, wenn auch nicht einfach zu beantwortende Frage ist folgende: Wenn man davon ausgeht, dass es Informationen gibt, die das eigene Leben verbessern - Wie viele davon findet man beim Rumsurfen im Netz? Wie viele findet man in Büchern?

Jonathan Franzen zweifelt sicher nicht zu Unrecht daran, das man ein gutes Buch schreiben kann, wenn man an seinem Schreibtisch über Internet-Zugang verfügt. Für die Zeit meines Frankreich-Aufenthalts habe ich mir eine Diät verschrieben: Ich nutze das Netz nur eine, maximal anderthalb Stunden täglich, um Mails zu schreiben, zu recherchieren und zu bloggen. Danach ist tabu. Ich sitze sogar an einem anderen Tisch.
Besonders das ständige Überprüfen des Posteingangs ging mir immer mehr auf die Nerven. Jetzt bin ich stressfreier und maile wieder mit mehr Freude.

16.08.2011

Südlich gehen

Jude Law gibt ein gutes Bild davon in 'Der talentierte Mr. Ripley' (R: Anthony Minghella, 1999). Es ist geschmeidig, es ist weich und es zeigt jeder Form von Hektik den Mittelfinger.

Im Süden geht man anders. Zu langsam gibt es nicht. Die Männer tragen Mokkasins, weiße Leinenhosen und weite Hemden aus seidigem Stoff. Echte Mokkasins haben weiche Sohlen. Ich hab zwar keine, aber die roten Sportschuhe, die ich hier geschenkt bekam, haben ebenfalls sehr dünne Gummisohlen. Anfangs hatte ich abends müde Füße - aber mittlerweile springe ich buchstäblich über Stock und Stein. Und wenn ich durchs Dorf gehe, dann ich so langsam, dass ich fast rückwärts laufe. So langsam, dass ich spüre, wie die Zeit die von der Sonne gebleichten Härchen auf meinen Armen entlangstreicht. So langsam, dass mein Körper jauchzt, weil er sich leicht und locker anfühlt.

15.08.2011

Bild des Tages #17

The same every year. You think, the real hot summer is going to start in August. Instead, sunset kicks in earlier by the day, giving you chills.

13.08.2011

Bild des Tages # 16

Headlong the fat worm crashed into the apple

12.08.2011

Bild des Tages #15

Today I wish I'd feel simple

11.08.2011

Alltagsbuddhisten #5

Those of you who meditate might've come across the following: You sit and a weight drags you down. It can be a weight in your body, in your spirit or in your heart. Like a tension in your back, like troubling thoughts about your future, like a conflict with someone around you.
While you meditate, you wish to get rid of that weight, because it keeps you from entering emptiness. And then suddenly the memory of a funny situation hits you: You smile or even laugh out loud. The weight disappears. It's like the bending of the corners of your mouth lifts up your whole body and takes away the tension.

I've tried to find memories that make me laugh. I mean, really laugh. That was surprisingly difficult. It shouldn't be hard to find funny situations. But it is. Luckily I have my brother - just thinking of him can give me a huge smile. Not just for that I love him, which he hopefully knows even though I never tell him.

10.08.2011

Mit Schwein

Nachtrag zu gestern.

09.08.2011

Tatsächlich Gallien


Dort, wo ich ein paar Tage vorher dieses Himmelbild aufnahm, sahen wir gestern in 30 Meter Entfernung ein Wildschwein von links nach rechts spazieren. Ich fühlte mich wie Asterix und Obelix. Als ich mit lauter Stimme die Hündin Nika zurückrief, sah das Schwein nur kurz auf und trabte in aller Seelenruhe weiter. Sehr kraftvoll. Sehr dynamisch. Sehr lange Nase.

07.08.2011

Kathryn Schulz: On being wrong

OK, these are 18 minutes. I don't have any illusions about how many of you are going to take the time to watch this video. Kathryn Schulz doesn't even have a very gripping way of saying what she's come to say. And her final conclusion is a bit too fluffily American for my taste. But still: 18 minutes internet that are worth the time.

06.08.2011

Aschenputtel


Diese Stolze Dame wurde von ihren Artgenossen fast umgebracht. Sie war noch ein halbes Küken, als sie aus dem Nest fiel und von einem Nachbarmännchen attackiert wurde. Fast hätte er mit seinem Schnabel ihre Schädeldecke zertrümmert. Bruno rettete sie, behandelte ihren Kopf mit Mercuchrom und fütterte das kleine Wesen von Hand. Sie wohnte erstmal in einer Holzkiste, die meistens im Kamin stand.

Sobald sie sich etwas berappelt hatte, gab es Flugstunden. Einfach an den Füßen festhalten - der Vogel flattert, was das Zeug hält. Aschenputtel bekam ihren Namen, weil sie von selbst in den Kamin gezogen ist, sobald sie fliegen konnte. Zwar hat sie mittlerweile begonnen, ihre Umwelt zu erkunden, aber sie will weiterhin am liebsten in der Asche sitzen.

Ich habe gelernt, wie man einen Vogel aufnimmt und wie man sich die Hand von seinem Schnabel reiben lässt. Mittlerweile sitzt Aschenputtel auf meinen Fingern und fliegt nicht mehr sofort davon.

02.08.2011

Pläne für den Sommer?


Im Februar nannte ich meine Pläne für diesen Sommer.

Anfang August befinden wir uns mittendrin. Es ist an der Zeit, eine kurze Bestandsaufnahme zu machen. Habe ich Ziele erreicht? Wo ist Nachholbedarf? Müssen Pläne geändert werden?

Erste Teilerfolge lassen sich verzeichnen an der Bräunungs-Front (siehe Bild).

Die Wiesenjogger fehlen mir noch. Allerdings kann ich stolz berichten, dass ich bereits einige Strandjogger vom Radweg scheuchen konnte. Immerhin etwas.

Und nachts im Regen? Erst wollte ich schreiben: Keine Chance - es regnet hier nicht! Doch wie das so ist mit dem Wetter: Nichtmal in Südfrankreich ist Verlass darauf. Noch vor ein paar Jahren konnte man sich im Mai guten Gewissens auf Trockenheit bis September einstellen. Da es aber seit Anfang Juli bereits dreimal geregnet hat, bleibt Hoffnung, das Ziel zu erreichen. Fehlen nur noch die Wiesenjogger.

Das mit dem Brüsseler Platz hat sich als Schnapsidee herausgestellt. Am ersten April war ich zum letzten Mal dort (und 1000 andere auch). Die junge Frau, die neben mir saß, war so frontal auf einen Aprilscherz reingefallen, dass ich mit ins Loch sprang:

In Düsseldorf, wo, wie wir alle wissen die Bundeszentralbank liegt, war ein Lastwagen umgestürzt. Aus dem offenen Hänger quollen ... D-Mark-Scheine! Nagelneue D-Mark-Scheine; mit Helmut Kohl auf dem 10er. Der Euro gekippt!
Der Fahrer wollte alles vertuschen. Innerhalb kürzester Zeit erschien mysteriöse Security. Die Presse hatte keine Chance.

Als ich am nächsten Morgen voller Überzeugung diese Geschichte erzählte, machte ich einen Affen aus mir. Scheiß Brüsseler-Platz!

Das mit dem Dauer-Faulenz-Rekord wartet noch. Wir werden sehen. Im Moment gibt es nichtmal Wochenende, das Buch muss fertig.

Und zuletzt: Das Album des Sommers!

Lange überlegt. Es blieben übrig:

Morgens - Bonobo, Animal Magic

Mittags - Bonobo Presents Solid Steel: It Came From The Sea

Abends - Moby, Play

Play (1999) habe ich damals totgehört. Nach fünf Jahren Abstinenz ist es besser denn je. Es hat einen Gesamtbogen wie nur wenige Alben. Besonders eignet es sich dafür, mit dem Rad im Sonnenuntergang über die Landstraße zu sausen, die Musik in den Stöpseln.

Jetzt fehlen noch der Bierkiosk und das Mehr-Eis-essen.
Bierkiosk ist schlecht. Südfranzösisch wie ich geworden bin, trinke ich nur noch Pastis, bevorzugt vor dem Kaffee und in rauen Mengen. Allerdings wird meine Fähigkeit, neue Freundschaften zu schließen davon derart reduziert, dass ich mir keine großen Hoffnungen mache, dieses Ziel noch zu erreichen.

Und Eis! Gebt mir Eis!