Max Pothmann | Autor | Bühnenbild & Requisitenbau | Köln-Bonn
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29.05.2021

Flashback #11 - Moritz von Eschersheim

Moritz begegnete mir im Jahr 2001 auf einer Party in Neukölln. Außer dem Gastgeber kannte ich keinen und fühlte mich schnell gefährlich allein. Ich war neu in Berlin und ging öfter auf Partys, auf denen ich kaum jemanden kannte - manchmal endeten sie episch, manchmal gelang es mir nicht, mit jemandem ins Gespräch zu kommen und ich driftete von einem Raum in den nächsten, bis ich mich selbst durch die Tür in den Hausflur in die S-Bahn und nach Hause spülte.

Auf dieser Party erzählte mir in der Küche ein Schauspieler, wie er es in New York versucht hatte. Als er weinerlich wurde, diffundierte ich durch den Flur in ein Zimmer, in dem eine Handvoll Leute auf dem Boden saßen - es war ganz ruhig, der Abend war noch jung. Ich blieb in der Tür stehen und sagte: "Hallo, ich bin Max". Moritz blickte auf und sagte lächelnd: "Hallo, ich bin Moritz." 

Wenn zwei Leute Max und Moritz heißen, dann ist das eine Verbindung, auf die man bauen kann. Wir sind Freunde geworden - damals begann Moritz, zusammen mit Eike Hosenfeld Filmmusik zu machen - sie fingen mit einem Tonstudio im WG-Zimmer an und wurden im Laufe der Jahre richtig erfolgreich. Wenig später zog ich von Berlin nach Kopenhagen und kam fortan regelmäßig zu Besuch. Mit der Zeit wurden meine Fahrten in die Hauptstadt seltener - ich wollte in meiner Freizeit lieber Wälder sehen als Großstadttrubel. Auch ohne direkten Kontakt bleibt man über soziale Medien übereinander auf dem Laufenden. Und nun gibt es diesen schönen Youtube-Kanal. Alles Gute zum 20-jährigen Tonstudio-Jubiläum!

Der Jonglagemann:

21.01.2019

Flashback #10 - ZOOM | Novatanz

Gerade habe ich zufällig diese Video gefunden. 2012 tanzte ich für Carmen Casagrandes Label NOVATANZ zusammen mit Patrick Entat in der Produktion ZOOM. Hier ein Trailer mit Eindrücken: 


07.07.2017

Flashback #9: Moritz Ecker - Weltreise mit Videoblog

Was macht ein Musiker, der gerade ein neues Album aufgenommen hat und nebenbei plant, 20.000 Kilometer mit dem Fahrrad über den Globus zu fahren? Er geht auf Weltfahrradtournee! 


Moritz studierte zeitgleich mit mir an der Folkwang Uni Jazz-Gitarre. Nach dem Studium zog er zurück in seine Heimatstadt Berlin. Im Sommer 2011, zeitgleich mit meiner eigenen Fahrradtour nach Frankreich, fuhr er auf der Suche nach Songtexten auf einem alten Peugot-Rennrad 3.000 Kilometer bis ans Nordkapp – und zurück. Wir mailten uns während der Fahrt: Bei mir wurde es immer wärmer. Er schrieb, er habe sich eine Daunenjacke gekauft und führe durch Schnee.

Im Jahr darauf folgte für ihn die nächste Reise. Die Distanz sollte eine ähnliche sein, die Richtung eine andere. Nach Süden diesmal. Sein Rad trug ihn bis nach Istanbul. „Früher bin ich einfach losgefahren“, sagt er heute, „wenn man ans Mittelmeer will, fährt man erstmal nach Leipzig, danach immer weiter geradeaus.“

2013 folgte eine Reise nach Albanien. Dieses Mal hatte er eine Gitarre dabei, um unterwegs seine Songs spielen zu können. Sein Rennrad trug ihn mitsamt Instrument über die Alpen. In Albanien fand er eine andere Welt vor, in der es rauer und direkter zuging, als im sicheren Deutschland. Langsam formte sich die Idee für eine wirklich weite Reise.


Im Frühjahr 2015 kündete er seinen Job als Lehrer an einer Berliner Musikschule. Er hatte Geld gespart und wollte sich endlich wieder der eigenen Musik widmen. Schon seit zwei Jahren gab es Pläne für ein neues Album mit Songs für die Band Cats Don't Talk, die er auf seinen Radtouren geschrieben hatte. Im August 2016 war das Album Yes fertig. Es folgte die obligatorische Labelsuche. Gleichzeitig gab es diesen Reiseplan...

„Ich habe mich gefragt, welcher Ort am weitesten von Berlin entfernt liegt. Ein Ort, der auf dem Landweg zu erreichen ist." Die große Weltkarte, die in seiner Küche hängt, gab Antwort: Singapur. „Wenn nicht jetzt, wann dann?“, dachte er. Er hatte etwas Geld. Er hatte Zeit. Er hat eine verständnisvolle Frau.

Seit über zwei Monaten ist Moritz jetzt unterwegs und postet von unterwegs Videoblogs, die ich euch wärmstens an Herz legen kann. Wenn das kein Fernweh weckt!


23.03.2017

Flashback #8 Hannibillica | Kevin Dorney

Ich begegnete Kevin Dorney auf meiner Radtour ans Mittelmeer im Sommer 2011 in Nîmes. Eine Freundin aus Köln hatte mir die Jugendherberge dort empfohlen, da müsse ich unbedingt einen Stopp machen.

Nachdem ich mit all meinem Gepäck im kleinsten Gang einen der sieben Hügel der Stadt erklommen hatte, fand ich ein heimliches Paradies, in dem ich unter Olivenbäumen für wenig Geld mein Zelt aufschlagen und einige Tage Pause machen konnte. Unter den illustren Gästen gab es zwei unbezahlbare Dinge: Tolle Gespräche und schöne Feste.

Kevin las ein Buch über Hannibal Barkas und war so fasziniert von dessen Geschichte, dass er sich aufmachte, den Weg selbst nachzugehen, den der Karthager im dritten Jahrhundert vor Christus mit mehr als 50.000 Soldaten, 9.000 Reitern und 37 Elefanten begann, um Rom zu besiegen. Über 2000 Kilometer, die Pyrenäen und die Alpen zu Fuß - inklusive Kameraausrüstung.

Nun ist das Video endlich fertig. Hut ab!

04.02.2017

Flashback #7 Wir wissen wie das geht | Benjamin Garcia

Benjamin und ich trafen uns am Donnerstag Abend zufällig in der Studiobühne, um "Die Harmonie der Gefiederten" des Agora Theaters zu sehen. Nach dem Stück, einem Muss für einen Hobbyornithologen wie mich, saßen wir zusammen im Café und bemerkten, es sei jetzt gut zehn Jahre her, dass wir unser Studium an der Folkwang Universität der Künste (damals noch Hochschule) beendet hätten.

Benjamin unterrichtet in Essen und fährt noch regelmäßig hin. Es sei schicker und anonymer geworden, sagt er. Damals war das Meierei-Gebäude, in dem sich die Mensa befindet, angenehm schrabbelig. Man durfte noch rauchen. Abends hingen dort Gruppen von Studenten rum, manchmal brachten sie Bierkisten und Zigarren mit und spielten Poker.

Während des Studiums war Benjamin an zweien meiner Projekte beteiligt. Er spielte Kontrabass für den Kurzspielfilm "Paul Geht" und für das Bühnenstück "Sheos". Schon eine ganz Weile wohnen wir beide in Köln und bekommen, wie das in Städten so üblich ist, in unregelmäßigen Abständen fragmentarisch mit, was der andere treibt. Ich verfolge mit Freude seinen Weg als Musiker und seine Musik an sich.

Dass Musiker viele Instrumente spielen, war früher etwas Besonderes. Heute gehört es fast schon zum guten Ton.
Benjamin allerdings ist wirklich ein Multiinstrumentalist. Er kann seine Platten komplett selbst einspielen: Schlagzeug, Gitarre, Bass, Gesang und Keyboard. Alles selbst gemacht, alles wirklich und echt gut.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ein wirklich, echt guter Song kommt .... jetzt:


17.09.2015

Flashback #6 - Simon Rummel und sein Ensemble

Ein Team bei der Arbeit: Simon Rummel (links) und sein Ensemble, hier ohne den Sprachkünstler Ketonge. Foto: Jane Dunker

Zum ersten Mal begegnete ich Simon im Frühling 2003, gegen Ende meines ersten Studienjahres an der Folkwang Universität. Jedes Jahr fand dort ein selbst organisierter Abend mit studentischen Choreographien statt: Ich sollte zum ersten Mal in Essen auf der Bühne stehen, in einer Arbeit von Carlos Maria Romero. (Als Sänger mit von der Partie: Pablo Botinelli).
Simon studierte damals in Köln Jazzklavier und kam als Gast, um für einen Tänzer auf der Bühne Geige zu spielen. Bei einer Probe am Tag vor der Aufführung begannen wir zusammen mit Pablo Musik zu machen - ich legte mich in die Tasten eines herumstehenden Flügels, Pablo sang und Simon spielte sein Streichinstrument: Wir waren zu Hause.

Ungefähr sieben Jahre später wurde ich als Gasttänzer für ein Theaterstück von Karin Beier engagiert. Neben zehn Tänzern kam auch ein Männerchor zum Einsatz, dessen Reihen mit Musikstudenten aufgefüllt wurden. Ich wusste, ich kannte diesen Menschen, aber es dauerte eine Weile, bis es bei uns beiden Klick machte. 

Jetzt sind erneut einige Jahre vergangen. Wir sind so etwas wie Nachbarn und begegnen uns gelegentlich auf der Straße, wechselweise mit völlig übermüdeten Augen, weil wir gerade viel zu tief in irgendwas drin stecken. Simons Gruppe wächst und wächst. Aus dem Septett ist ein Ensemble mit elf Musikern geworden. Am Sonntag spielten sie im Loft in der Wissmannstraße ein Werkstattkonzert. Die Einladungskarte war sinnigerweise aus Schmirgelpapier: da kann man Diverses herauslesen. Zum Beispiel, dass es hier um Arbeit geht. Oder, dass man nicht alles bierernst nehmen muss. Dass man es mit einer Form von Eigenheit zu tun hat, einer Eigenheit im positivsten Sinne. Denn die Musik und die Menschen, die wir am Sonntag sahen und hörten, versuchten nicht, eigen zu sein oder zu wirken: Sie waren einfach originell und gut.

Ich habe nun länger überlegt, ob ich die Musik beschreiben soll, aber ich lasse meine Finger lieber unverbrannt und verweise euch auf den folgenden Link zum Selberhören.

Das nächste Konzert des Ensembles in Köln ist für den 20.12. geplant. Mehr Infos hier.

08.11.2014

Flashback #5 UNTITLED | Matilde Mørk

Matilde and I studied together at Danseværkstedt in Copenhagen. We were both around twenty years old and our wish to become professional dancers was quite new - considering our age we'd had little training. After finishing the one-year-course in Copenhagen Matilde went to England to study dance in Leeds, I went to Essen to study German Dance Theatre at Folkwang. For about seven years I passed through Copenhagen almost every summer on my way north to Sweden and Norway. We met and shared our experiences as aspiring dancers. 

After moving back to Denmark Matilde, founded Mørkdans and began to train as dance therapist. Over the years our connection thinned out - but the internet is a good place to reconnect.

A couple of weeks ago I came across some of Matilde's work on Vimeo. This one I like especially - there is a simplicty in it that is difficult to find. It reminded me of a show of Yvonne Rainer's work at Museum Ludwig in 2012. Matilde told me later, that it was in fact a reinactment of a Yvonne Rainer's Trio A.
 

05.11.2012

Flashback #4 - T.I.G.R.E | Anca Huma

Der dritte Flashback. Eigenartig, wie diese drei Videos mir innerhalb kurzer Zeit über den Weg liefen. Über T.I.G.R.E freue ich mich besonders: Auch wenn es nur ein kurzer Trailer ist - hier kommt vieles zusammen: Ancas Darstellung, die einem unter die Haut kriecht, saubere Kamera, Sounddesign und ein Schnitt, der weder hintereinanderklebt, noch herumrührt.

Anca Huma war einer der ersten Menschen, die mir an der Folkwang wirklich begegneten. Sie lief neben mir her, von der Mensa zum Unterricht und stellte zwei, drei, vier, fünf Fragen. Aus den Antworten setzte sie sofort ein stimmiges Bild zusammen.
Von Anfang an hatte ich das Gefühl, von ihr gesehen zu werden. Für Künstler ist sowas ja wichtig. Und nicht immer einfach. Vielleicht geht so ein Sehen-Können mit der Fähigkeit einher, sich selbst sichtbar zu machen. Ancas Solos und Improvisationen waren grundsätzlich Ansagen gegen jedes Verstecken. Auch wenn sie düster daherkommt, macht es mich sehr froh, diese Arbeit zu sehen:


T.I.G.R.E. intérieur from Jacques-André Dupont on Vimeo.

04.11.2012

Flashback #3 - Muddy Boots | Ekaterine Giorgadze

Der zweite Flashback. Still House/Muddy Field von Ekaterine Giorgadze und Jason Jacobs. Dieses Video habe ich ausgewählt, weil es gut zu einem novembrigen Sonntag Nachmittag passt.

Ekaterine und ich, wir haben uns während des Studiums an vielen Tagen nebeneinander warm trainiert: Morgens halb neun, bevor der erste Unterricht des Tages begann. Es verging kein Tag, ohne dass nicht einer von uns lauthals gelacht hätte.

Ich warte noch darauf, dass sie mir mal einen Haufen Videomaterial schickt, damit ich daraus etwas schneidern kann. Obwohl man hier sieht, dass sie das längst viel besser kann als ich:


29.10.2012

Flashback #2 - Hidden Tracks | Jennifer Ocampo Monsalve


Mein Tanzstudium an der Folkwang-Universität (damals noch Hochschule) in Essen dauerte fünf Jahre. Es liegt nun fünf Jahre zurück und meldet sich vielgestaltig wieder. Hier das erste Video aus der Reihe Flashbacks.

In meinen Augen war Jennifer eine der talentiertesten Tänzerinnen während meiner Studienzeit. Sie beendete ihr Studium ein paar Jahre vor mir und ging nach Münster, wo sich ihre Spur verlor. 
Letzte Woche erreichte mich eine Pressemitteilung vom Fonds Darstellende Künste. Darin eine Liste mit den neuen, zur Förderung ausgewählten Projekten. Mit von der Partie: Jennifer Ocampo Monsalve. Für mich ein Grund, sie wieder aufzuspüren.



Persona trailer from Jennifer Ocampo Monsalve on Vimeo.

18.03.2012

Flashback #1 - Pablo Botinelli | L'esprit du Temps

Neulich gab es hier schon einen Song von Paul Fassbinder in Zusammenarbeit mit Herrn Norcht. Er spielt auch in einer Formation mit dem Namen L'esprit du Temps.

Pablo lief mir an der Folkwang über den Weg. Ich war im ersten Semester und ging auf eine Party. Ein Haus in der Nähe der Schule sollte abgerissen werden. Am Abend vor der Abrissbirne ließ ein Gruppe von Tänzern die Korken knallen.
Paul stand, natürlich, an der Bar im Keller: Ein Klapptisch mit Bierkiste oben drauf. Ich kannte keinen, die waren alle älter und viel cooler als ich. Irgendwer rief: "Ey Pablo, sing mal was!"

Pablo holte tief Luft und sang. Verdi vielleicht, keine Ahnung. Eine Arie, glaube ich. Ich war begeistert. Sowas hatte ich noch nie gehört. Das war wie die Musik, die man in sich trägt und manchmal, ganz selten, hört man sie draußen in der Welt und weiß plötzlich, dass sie da ist, seit Jahren schon.

Die Schnösel hinter der "Theke" ließen sich hinterher nicht dazu überreden, ihm für sein Lied ein Bier zu schenken. Überhaupt war die Party ein Reinfall. Wie das eben so ist, wenn man als Erstsemester irgendwo hingeht, wo alle viel cooler sind.

Pablo und ich, wir ließen in den folgenden Jahren keine Gelegenheit aus, uns einen freien Flügel in der Schule zu schnappen und Krach zu machen. Irgendwann waren wir auf den Parties selbst die Coolen. Das glaubten jedenfalls die Erstsemester.