Max Pothmann | Autor | Bühnenbild & Requisitenbau | Köln-Bonn
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08.05.2012

Maxim - Meine Worte

Im Moment läuft auf ZDF.kultur die Talkshow Roche und Böhmermann, die richtet sich glaub ich an Leute wie mich, an Leute die sonst keine Talkshows gucken. Sie scheint sich gerade zum Geheimtipp zu entwickeln: Also wer mitreden will: Gucken!

Die Show wird in der Wachsfabrik Köln gedreht. Dort habe ich im März parallel geprobt. Quasi im Nebenzimmer, umgeben von 25jährigen Fernsehleuten. Wahrscheinlich hat das dafür gesorgt, dass ich am Verlauf dieses Projekts interssiert bin. Außerdem mag ich die beiden Bücher Feuchtgebiete und Schoßgebete von Charlotte Roche. 'Mögen' ist vielleicht nicht das richtige Wort. Ich finde sie entwaffnend und kraftvoll.

Wohin mit diesen Worten über Talkshows? Zu den Geheimtipps in der deutschen Talkshow-Landschaft gehört Inas Nacht. Auch als Nicht-Gucker kann ich sie empfehlen. Beim letzten Heimatbesuch zappte ich zufällig hinein und sah mich Maxim gegenüber, einem Kölner Musiker, der sich mit Reggae einen Namen machte und seit einiger Zeit auf Pop umgeschwenkt zu sein scheint. Sein Lied "Meine Worte" schafft, was nur wenige Lieder schaffen (ähnlich wie Philipp Poisel): Es lässt deutsche Sprache zu Musik werden. Ich habe statt der Talkshowaufnahme das offizielle Video gewählt. Es hat besseren Sound.

20.08.2011

Diät #2

Die Zeit liest man auch in Südfrankreich. Charlotte Roche unterhält sich im Magazin mit Jana Hensel über Sex. Singles sollen schlafen, mit wem sie finden können, ist ihre Empfehlung.

Feuchtgebiete (2008) übrigens: Wenn Bücher oder Filme explizit sexuelle Inhalte haben, ist die Mehrheit der geäußerten Meinungen nicht in der Lage, über Brüste und Körperflüssigkeiten hinweg auf sonst gebräuchliche Qualitätsparameter zu blicken. Eine Standardmeinung zu Stanley Kubricks Eyes Wide Shut (1999) war in den ersten Monaten nach Erscheinung: "Der hat wohl seine sexuellen Phantasien ausleben wollen." Wesentlich wahrscheinlicher gibt diese Aussage einen Einblick in die Phantasien der Meinenden. Eine Machtparabel läßt sich ohne Sex nicht erzählen. Jedenfalls nicht von jemandem, der sichtbar machen will.

Feuchtgebiete ist über all den Körperkram hinweg ein präzise geschriebenes Buch, von dessen sprachlicher Schlichtheit sich so manche ein Scheibchen abschneiden können. Auch wenn 'Kacke-Schwitze' kein schönes Wort ist: Charlotte Roche erfindet einge sehr bunte und lustige.

Jetzt aber zurück zum Thema: Charlotte Roche war magersüchtig, hat sich heilen lassen und spricht darüber so offen, wie man es von ihr gewohnt ist. Folgende Worte las ich, kurz nachdem ich den letzten Artikel geschrieben hatte:

Ich glaube, dass Bilder uns krank machen. Wir sind ständig mit retuschierten Fotos von Frauenkörpern konfrontiert, irgendwann glauben wir, wir müssten so aussehen. Das hat mich krank gemacht. Aber wenn man sich von diesen Bildern fernhält, wird man wieder gesund!

Das passt nicht nur lose zum vorgestrigen Artikel, sondern auch zu meinem Leben hier. Ich sehe kaum Bilder - und ich sehe auch mich selbst kaum. Im Bad gibt es keinen Spiegel. Mein Bart sprießt, wohin er will.
Außerdem fällt mir auf, wie oft man sich in der Stadt gespieglt sieht: In jeder zweiten Glasfassade nämlich. Dem nicht mehr ausgesetzt zu sein, versorgt mich mit einem beträchtlichen Maß an frischer Energie.