09.05.2011

Becoming Klingon

Das ist mal eine Nasenwurzel!

Nachher war ich sauer, weil ich die Aussicht von meiner Liege nicht fotografiert hatte. So ein Krankenhausflur in seiner absolut zweckmäßigen Kargheit ist sehenswert. Nun gibt es nur meine Nase.

Ich lag eine dreiviertel Stunde im Flur der Ambulanz von St. Hildegardis. Zur Gesellschaft hatte ich eine Frau zur Ausnüchterung. Zwischendurch stand sie mühsam von ihrer Liege auf, um sich in orientalischer Manier auf dem Boden niederzulassen - so als seien die kalten Fliesen ein Diwan. Der Pfleger, ein grundguter Mensch, war nicht amüsiert. Etwas später musste sie pinkeln.

"Kann mir mal einer 'n Klo geben?" rief sie mit nasaler Stimme und ich lachte, trotz der Müdigkeit im Kopf.

In der Ambulanz gab es alle, die zur Ambulanz gehören: Die Pfleger und Pflegerinnen - Helden des Alltags in ihrer Geduld, Fürsorge und Fähigkeit zum Multitasking. Den schönen, braungebrannten Medizinstudenten, der versuchte, seine Lacoste-beschuhten Füße in diesem Gewusel auf den Boden zu kriegen. Den jungen, verunsicherten Arzt - in diesem Fall einen Spanier mit Topf-Frisur - der für meinen Entlassungsbrief fünfundzwanzig Minuten brauchte, mit zwei Fingern getippt. Den Altchirurgen: So müde und so abgebrüht, wie nur ein Arzt sein kann. Vielleicht hat auch er auf dem Boden von Gläsern nach der Wahrheit gesucht. Zuletzt entließ man mich mit einem ungeschickt verpappten Pflaster.

Am nächsten Morgen sah ich in den Spiegel und dachte: Ou Mann! Ich werde Klingone! Das ist nicht so einfach. Klingonisch lernen, eine Uniform finden, den Ehrenkodex verinnerlichen...

Klingonisch ist laut Guiness' Buch der Rekorde die meistgesprochene fiktive Sprache. Es gibt sogar Übersetzungen aus den Werken von Shakespeare und aus der Bibel. Die Uniform habe ich online bestellen können. Da gibt es ja alles. Und der Ehrenkodex? Null problemo! Hauptsache immer schön vorsichtig im Weltraumverkehr und auf Kölner Radwegen!