Max Pothmann | Autor | Bühnenbild & Requisitenbau | Köln-Bonn
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12.09.2025

Texte aus dem Schuhkarton #8: Im Beinewald

Foto: Felix Keuck


Im Beinewald


Auf einem Straßenfest

traf ich dich wieder

deine Tochter versteckte 

sich hinter dir 

strich sich eine Haarsträhne

aus dem Gesicht 


Sie war schon eine richtige 

kleine Person geworden 

mit Jeans, Frisur und

riesigen blauen Augen


Während wir uns 

im Menschenstrom unterhielten

setzte sie sich

auf deinen Fuß und 

las ein Bilderbuch


im Beinewald



14.04.2023

Texte aus dem Schuhkarton #7: My Arms

Diesen 10 Jahre alten Text habe ich heute überraschend gefunden..

Handpoked tattoo by Marie Dinger


My arms are bleeding
someone's punched a hole into their skin
and drop after drop I'm leaking red
 
I don't remember when it happened
- just realized one day 
that my arms were bleeding
bleeding slowly, a thin string of blood
dripping down to the floor
 
I didn't do anything about it
I didn't have time, I was busy
- and I liked the red
 
Then I got used to it, to the bleeding
got used to all the paper towels needed
to keep the office clean
 
Gee. What a mess.
 
It's been going on for weeks now
my arms becoming paperdry
I thought my bones where thin
but they are much thinner really
- nothing left but skin and bone 
 
There's a girl in my neighbourhood
who probably has anorexia
her arms look as thin as mine

But with me it's just the arms
- the rest looks the same
with her it's the whole body
looking thin but full of energy
just her face is round

(she works in my favourite burger joint
frying burgers all day
but never eating)
 
Sometimes I think:
why don't I stop the bleeding?
it should be very easy
shouldn't it?

But I've gotten so used to the drip
the red, the lightness of my arms
so used to the thin, the dry feeling
 
And I'm curious what's going to happen
I'm curious if that someone 
comes around again with his needle
maybe punctuates my legs or

04.02.2013

Texte aus dem Schuhkarton #6


Schaue dir nach
mir entschwindet der Mut
entkleidet berührt meine Wange
kühlen Stein

26.01.2013

Texte aus dem Schuhkarton #5


Samstag Nacht

wir warten am Bahnsteig
du läufst kleine Kreise
murmelst, lächelst, stellst alte Fragen
- ich schau mir auf die Schuhe und
ein Krauskopf trinkt schielend Mezzo Mix

mit dem Ticketautomaten gekämpft
und in Köln ausgespuckt
umarmen wir das Tosen der Halle
die tausend Gesichter
die gemeißelten Typen
die Hoffnungsfreiheit

Zigeunermusik in der Straßenbahn
träumt sich ein Mädchen
mit neuen roten Schuhen
die Laternen entlang
der Nacht entgegen und lächelt verwaschen
bevor das Dunkel sie auflöst

und wir lassen uns verschlucken
hinten in Ehrenfeld, kaufen Kippen
saufen Wein und reden bis Morgengrau

im ersten Licht jubeln wir auf dem Dach
den Sternen entgegen

du hältst mich
damit ich nicht falle

20.01.2013

Texte aus dem Schuhkarton #4


Weitermachen

Kaffeetasse, ein schlankes Buch
Kühlschrankbrummen, die Küchenuhr
langsamer Sonntagsrhythmus
langsame Stille
langsam dieser Schmerz
der beim Innehalten einsickert

weitermachen


18.01.2013

Texte aus dem Schuhkarton #3


Wirf mich

ich komme zurück
immer wieder
auch vom weitesten Wurf
zurück
an diesen Tisch
die Straße draußen
durchs Fenster
den Raritätenladen gegenüber

wirf mich nochmal
härter

13.01.2013

Texte aus dem Schuhkarton #2

Mit Texten aus dem Schuhkarton folgen hier in loser Reihe ein paar kurze Gedichte der letzten zehn Jahre. Oft sind es die kurzen, die mir selbst am liebsten sind. 
Vielleicht, weil der kritische Blick sich bei unter dreißig Worten irgendwann zufrieden gibt. Vielleicht aber auch, weil ich einfach ein Haiku-Fan bin.
Viel Freude damit!


Ein Wort

Ein Wort bricht aus meinem Mund
es will singen 
vom Wasser auf deiner Haut

Der Tag ist noch unentschlossen
wir warten auf ihn, Kaffee
auf den Lippen

schweigend 


11.01.2013

Texte aus dem Schuhkarton #1


jetzt

zuletzt
wenn der Schmerz eines Abschieds
mich umreißen will
zuletzt dann
bleibt meine Halteseil
jedes Unkraut am Wegrand
der Blick ins

jetzt