07.10.2011

Long Day - Part I

Es war einer von diesen Tagen. Mein Zelt stand schief. Ich schlief ich mit dem Kopf nach unten. Drehte mich um. Das war auch nicht besser. Am Abend zuvor hatte ich mit dem Straßenmusiker Dave Shire das klassische Bier zuviel getrunken. Sein Song The Road to Anywhere hatte mich so glücklich gemacht.

Dave beschoss, Musiker zu werden und nach Südfrankreich zu ziehen, nachdem er 1.000.000 Meilen mit dem Truck durch Britannien gefahren war. Zehn Jahre lebte er in der Jugendherberge Nîmes. Jetzt kommt er meist im Sommer, wenn London ihn zu sehr nervt. Sein Zelt wird in der Herberge verwahrt und wartet auf ihn. Ist er knapp bei Kasse, nimmt er die Gitarre und spielt in er Innenstadt, wo ihn viele noch von früher kennen.

An diesem Tag war Dave ebenfalls früh aufgestanden. Er wollte sich ein paar Euro dazu verdienen, um die Durststrecke bis zur Überweisung seiner Rente zu lindern. Einmal knapp bei Kasse, immer bei Kasse. Das Credo der Straße. Bevor ich mich Richtung Bahnhof aufmachte, gab ich ihm einen Brief an Kevin, den ich schon auf der Hinreise in der Auberge getroffen hatte. Kurz darauf trat ich einen Haufen Hundescheiße.

Ich ging ins Bad und zog den Schuh aus, um ihn zu untersuchen. War das wirklich Hundscheiße? Der Geruchstest trieb mir die Tränen in die Augen und legte mein Riechorgan für die nächsten zwei Stunden völlig lahm. Notdürftig kratzte ich den Schuh sauber. Das Zeug klebte, als wäre es dafür gemacht, stunden-, wenn nicht tagelang in der Profilsohle von Wanderschuhen zu hängen. Vor mir lag eine lange Bahnfahrt. Wer einmal mit stinkenden Schuhen zwei Stunden in einem Abteil verbracht hat, der will das nicht wiederholen. Wie gesagt: Notdürftig. Die Schuhe stanken noch immer. Sie stanken so stark, dass mir beim Schreiben noch der Geruch durch die Nase weht.

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