05.10.2011

Long Day - Part II

Für die Strecke bis Lyon hatte ich mit dem Rad fast vier Tage gebraucht. Im Zug dauerte sie anderthalb Stunden: Das Rhone-Tal sauste vorbei, die Alpen zur Rechten. Wer in meiner Nähe saß, wirkte schlecht gelaunt. Lag das am Geruch? Weiter ging es nach Chalon-sur-Saône ins Burgunderland.

Diese Stadt war schon auf der Hinreise ein Nadelöhr gewesen. Fast verdurstet und mit glühendem Kopf war ich über eine enge Nationalstraße voll schnell fahrender LKW die letzten Kilometer in die Stadt gefahren, bis ein Netto-Supermarkt mich erlöste. Am nächsten Tag verfuhr mich in den Ausfallstraßen und brauchte 20 Kilometer, um zur ursprünglichen Route zurückzufinden.
Jetzt war es nicht besser. Mein Plan, eine Tagesetappe mit dem Rad einzulegen, erwies sich als Schnapsidee. Es gab in der ganzen Stadt keine Radwanderkarte. Man verkaufte mir kalte Quiche, die Zeitungsdame gab mir türkisches Geld statt einer 2-Euro-Münze und meine Schuhe stanken noch immer. Ich beschloss, weiterzufahren und kaufte ein Ticket nach Belfort trotz der Tatsache, dass meine Karte keinen Campingplatz anzeigte und ich erst im Dunkeln ankommen würde.
Als ich mich über den verbotenen, flachen Übergang abseits der Gleise schleichen wollte, um das bleischwer bepackte Rad nicht die Treppen runter und rauf zum Bahnsteig schieben zu müssen, pfiff mir ein napoleonesker Bahnangestellter hinterher. Er verlangte das Vorzeigen meines Tickets und zwang mich, das Rad zu tragen. Ich kam mir vor wie ein Krimineller.
Umstieg in Dijon. Riesenchaos am Bahnhof. Alles voll Menschen: Mit dem dick bepackten Rad kam ich kaum durch. In der Eingangshalle war es am vollsten: Reisende standen vor den Anzeigetafeln und warteten darauf, dass die Abfahrtszeiten- und Gleise für Züge angezeigt wurden, die schon vor einer Stunde hätten abfahren sollen.
Ich setzte mich in die Sonne, um zu rauchen. Ein dicker Südländer schnorrte Tabak. Mein Blättchen gefielen ihm nicht - murrend gab er mir den Beutel zurück und zog davon. Hinter seinem Ohr steckte eine Filterzigarette. Ich kaufte einen halben Liter Evian für zwei Euro und fragte einen Mitarbeiter der Bahngesellschaft was los sei. Offenbar eine Signalstörung. Wohin ich fahre? Nach Belfort. "Ah! That's the line we have problems with!"

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