Lesung am 23.01.26 im hinterhof.kollektiv
Subbelrather Straße 138, Köln-Ehrenfeld
Beginn: 20 Uhr.
Hier gibt's mehr Infos zum Buch sowie das aktuelle Weihnachtsangebot.
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| Der Sonnenuntergang gehört zum Alltag... |
Vor zwei Jahren sind wir aus Köln weg aufs Land gezogen. Nun leben wir eine Stunde entfernt in einem kleinen Dorf an der Sieg. Ich hatte 14 Jahre in der Domstadt gelebt, meine Partnerin noch einige Jahre länger. Die Stadt war unsere Heimat gewesen, wir haben sie geliebt und wollten nicht anderswo sein (außer vielleicht in Traumszenarien als Digital Nomads, die immer dort sind, wo die Sonne scheint).
Dann änderte sich alles, wir wurden eine Familie und merkten auf einmal, dass wir für uns und unser Kind einen anderen Lebensraum wollten als die Großstadt. Es dauerte einige Jahre, bis wir die Entscheidung endgültig trafen und uns für einen Ort entscheiden konnten. Viele Aspekte flossen in diese Entscheidung ein. Wir wollten nicht anonym irgendwohin ziehen, wo wir niemanden kannten. Wir wollten einen guten Kindergarten (am besten im Wald), wir wollten an eine Bahnlinie angebunden sein.
All das haben wir gefunden. Wir kannten schon Menschen, hatten schon Freunde hier. Wir hatten einige Male wochenweise Zeit hier verbracht. Unser Kind bekam einen Platz im Waldkindergarten. Und dreimal die Stunde fährt eine Bahn Richtung Köln und Bonn, im Idealfall braucht man weniger als eine Stunde von der Haustür bis zum Dom.
Anfangs arbeitete ich noch oft in der Stadt. Lange Tage mit häufig mehr als drei Stunden für Hin- und Rückfahrt. Und ganz schnell merkte ich: Ich vermisse nichts. Für Cafés, Bars und kulturelle Veranstaltungen hatte ich als Famlienvater ohnehin kaum noch Zeit gehabt. Mir fiel auf, wie viel Stress der Verkehr in meinem Nervensystem auslöst, wie lange es braucht, um davon runterzufahren. Zwei Minuten an der Kreuzung Venloer Straße/Gürtel in Ehrenfeld hieß 24 Stunden ein Sirren in den Nervenbahnen. Kein Wunder, das ich, solange ich in Köln wohnte, ständig das Gefühl hatte, hetzen zu müssen, mich fast immer beeilte irgendwo anzukommen, kaum jemals wirklich zur Ruhe kam.
Hier ist das anders: Abends ist es still. Keine Autos fahren vorbei (auch tagsüber nur so selten, dass kleine Kinder fast völlig gefahrlos unbeaufsichtigt auf der Straße sein können). Nicht nur wir, auch die Menschen um uns herum haben mehr Ruhe. Moden und Äußerlichkeiten, die uns zwar auch in Köln kaum interessierten, uns aber doch umgaben, spielen hier kaum eine Rolle. Ein Auto - wenn man eins haben muss - soll fahren. Bei den Ebikes, die hier wegen starker Steigungen Sinn machen, zählt nicht, ob sie irgendwie cool aussehen, sondern höchstens, ob sie einen Motor haben, der noch die stärksten Steigungen auch mit einem Kind im Sitz und einem im Hänger schafft.
Natürlich ist auch das Soziale ein anderes. Nicht, dass es in Köln schlecht war: Wir hatten eine schöne Nachbarschaft, kannten fast alle Menschen, die um uns herum wohnten und fühlten uns nie allein. Aber die Freundschaftsbeziehungen waren fragmentiert - man sah sich häufig mit Abständen von ein, zwei, drei Monaten. Hier trifft man sich - besonders im Sommer - auf der Straße. Per Dorfchat werden fast täglich Dinge verschenkt oder Suchen nach Dingen (Handwerksmaschinen) innerhalb von Stunden beendet. Fragen (z.B. nach guten Ärzt:innen) werden beantwortet, Helfer:innen für Lastentransporte oder ähnliches lassen sich leicht finden.
Und unser Kind kann draußen im Wald aufwachsen. Schon jetzt, noch ein Jahr von der Schule entfernt, verbringt es ganze Nachmittage selbstständig mit Freund:innen draußen in der Nachbarschaft (viele Gärten sind offen, die Kinder dürfen sich ohne zu fragen darin bewegen, auf dem Trampolin springen etc.). Und, wegen der Steigungen, sind sie schon jetzt Meister in schnellen Abfahrten mit Laufrad und Co.
Es geht los: wir verlassen Köln und ziehen aufs Land. Ich habe nun über 14 Jahre in der Domstadt gelebt.
Viele Szenen des alltäglichen Lebens rund um Ehrenfeld betrachte ich in diesen letzten Wochen mit Wehmut. Köln ist meine Heimat gewesen und wird immer einen Platz in meinem Herzen behalten.
Die Modeinstudrie gehört zu den größten Schädigern der Umwelt. Der Verbrauch von 8-10% der Treibhausgasemissionen wird ihr zugeschrieben. Die Produktion eines T-Shirts benötigt im Schnitt 2700 Liter Trinkwasser. Die Müllberge aus Kleidung umfassen jährlich 92 Millionen Tonnen - das entspricht einem vollen Lastwagen pro Sekunde. In Deutschland werden pro Kopf 5kg Kleidermüll jährlich weggeworfen. Ein Großteil aller Synthetikfasern wird aus Eröl hergestellt: das hat eine Reihe von negativen Folgen für die Umwelt. Unter anderem gelangen Mikroplastikpartikel in den Umweltkreislauf und letzten Endes in unsere Körper und die unserer Kinder.
(Siehe hier für mehr Infos)
Marie-Lune Simard aus Köln Ehrenfeld versucht mit ihrem Konzept 2ndish einen neuen Ansatz, um das Leben von Kleidung zu verlängern und aus alter Kleidung Neues herzustellen. Derzeit sucht sie über ein Crowdfunding-Projekt Unterstützer*innen.
Was man so alles findet, wenn man nach langer Zeit mal wieder seine Schubladen öffnet! Das gilt nicht nur für all den alten Kram, der sich über die Jahre in Kommoden ansammelt – D-Mark-Stücke! Lakritze! Kaugummis, Lichterketten, Pailletten, Kondome! – sondern auch für Schreibtische.
Die Kölner Autoren Max Pothmann und Melanie Raabe haben ihre Schubladen durchforstet, sind dabei auf Lustiges, Skurriles, Unglaubliches und halb Vergessenes gestoßen – und haben sich entschieden, daraus vorzulesen. Ein kunterbunter, literarischer Abend in schönster Kneipenatmosphäre.
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| Gefunden in den Tagebüchern von Anaïs Nin |
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| Wandmalerei in der Heliosstraße in Ehrenfeld |