26.04.2013

Kieselstein


Foto: Felix Keuck

 Von meinem Mund her stülpe ich mich nach innen. Ich ziehe die Lippen nach innen über die Zähne, ziehe und ziehe sie durch meinen Hals diesen Schlund nach unten

Meine Haut muss natürlich mit, der Rücken wandert hoch den Hinterkopf wandern die Füße hoch die Beine, falten sich meine Unterschenkel geknickt wie sich nur Unterschenkel knicken können hoch bis zum Arsch

Ich stülpe mich nach innen, stülpe immer weiter bis meine Arme nur noch Stummel sind mein ganzer Körper nur noch ein Knubbel am Boden

Ich bin blind ich bin taub meine Nase schrumpft und innen überlagert meine Haut alle Altlast, Altlast die sich an den Wänden sammelt, kondensierte Altereignisse Geschichtsspuren, Erinnerungen mit Klebestreifen

Kurz halte ich beim Stülpen inne und frage mich wieso bleiben so viel mehr von den dunklen Erinnerungen hängen? Geht das allen so? Wie funktioniert überhaupt mein Erinnerungsprogramm? Warum speichert es die eine Sache und die andere nicht? Aber ich höre schnell wieder auf zu theoretisieren und stülpe weiter

Mein Arme sind weg. Meine Beine sind weg. Meine Nase verschwunden mein Kopf halslos am Rumpf festgewachsen meine Form ähnelt der eines Blutkörperchens oder einem Flusskiesel

Nichts bleibt mehr an mir kleben. Und auch innen sind alle Wände von Haut geschützt. Ich bin in Sicherheit

Ein Künstler übermalt seine Narben. Ich denke: Stülp dich doch nach innen. Stülp dich doch nach innen

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