Max Pothmann | Autor | Bühnenbild & Requisitenbau | Köln-Bonn
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09.01.2017

Schubladenlesung mit Melanie Raabe


Am Donnerstag veranstalte ich gemeinsam mit der Autorin Melanie Raabe eine Schubladenlesung im Café Weltemfänger in Ehrenfeld. Herzlich Willkommen!

Was man so alles findet, wenn man nach langer Zeit mal wieder seine Schubladen öffnet! Das gilt nicht nur für all den alten Kram, der sich über die Jahre in Kommoden ansammelt – D-Mark-Stücke! Lakritze! Kaugummis, Lichterketten, Pailletten, Kondome! – sondern auch für Schreibtische.

Die Kölner Autoren Max Pothmann und Melanie Raabe haben ihre Schubladen durchforstet, sind dabei auf Lustiges, Skurriles, Unglaubliches und halb Vergessenes gestoßen – und haben sich entschieden, daraus vorzulesen. Ein kunterbunter, literarischer Abend in schönster Kneipenatmosphäre.

Donnerstag, 12. Januar, 20 Uhr
Café Weltempfänger, Venloer Str. 196 - 50823 Köln
Eintritt frei  

07.02.2014

Melanie Raabe im Weltempfänger



Melanie schrieb ihren ersten Roman "Die Hässlichen" bereits 2009. Da der Buchmarkt junge Autoren nicht anspringt, um ihre Bücher zu veröffentlichen, selbst wenn sie gut sind und einer Vielzahl von Menschen aus der Seele sprechen, verging einige Zeit, bis das Buch 2012 zunächst als Ebook erschien.

Und gestern war es soweit: "Die Hässlichen" gibt es nun als Taschenbuch, erschienen bei epubli. Zur Feier des Tages las Melanie im Café Weltempfänger in Ehrenfeld. Die drei Kapitel des Buches umrahmte sie mit zwei extra zur Angelegenheit verfassten Texten - einen über Ehrenfelder Ranzigkeiten und einen über den täglichen Kampf während des Berufsverkehrs in Kölner U-Bahnen. Das Publikum dankte ihr, indem es ihre Tasche mit Büchern leer kaufte.

Im Weltempfänger, einem supersympathischen Ehrenfelder Hostel-Café mit schwerem Suchtpotential in der Kuchenauswahl treffen wir uns immer wieder, um gemeinsam zu arbeiten. Ich bin freudig gespannt auf weitere Geschichten von ihr.

26.04.2012

Acht Grad

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Im 'Weltempfänger'

Meinen tausendsten Eiskaffee trank ich zu Banjomusik. Draußen lag die Temperatur bei acht Grad; ebenso tief also, wie die Wolkendecke am Himmel. Aus den unsichtbaren Lautsprechern im Café sang eine französische Sängerin französisch.

Mein Eiskaffee enthielt nur ein Bällchen Vanilleeis. Ich war etwas enttäuscht, aber nicht sehr. Immerhin hatte ich vorher schon 999 Eiskaffees getrunken. In den allermeisten waren zwei Eisbällchen gewesen. Ich lauschte der Stimme und bemerkte, dass sie gar nicht französisch sang, sondern englisch. Sie klang bloß französisch: Verraucht, gleichzeitig melancholisch und sexy. Ihr Banjo hatten die auch weg gepackt. War das überhaupt noch die gleiche Band?

Ein alter keltischer Text besagt, dass man dem Sommer auf die Sprünge helfen kann, indem man Eiskaffee trinkt. Ich sah zu, wie der freundliche Barmann einer Kundin die Tür aufhielt. Ihre Hände waren voll Kaffee zum Mitnehmen. Seine Haare brannten, aber er wollte das so.

Weiter heißt es in dem keltischen Text, dass ein Eiskaffee, der zur Sommerwetterermunterung getrunkten wird, im Idealfall eine lange Maccaroni als Strohhalm enthält. Schon bei den Kelten galt Plastik als verpönt. Ebenfalls lernen wir hieraus, dass schon sehr früh ein reger Warenaustausch zwischen Italien und dem restlichen Europa bestanden hat.

Dem Barmann war es zu bunt geworden. Ich war ganz allein im Gastraum. "Er sucht bestimmt einen Feuerlöscher für seine Haare", dachte ich und erwog, mit einem Hechtsprung hinter die Theke zu springen, um schnell nach weiteren Eisbällchen zu suchen. Stattdessen drehte ich meinen Kopf um 90 Grad nach rechts. Rock'n Roll, von einer Männerstimme gesungen. Definitiv eine andere Band. Draußen schien endlich die Sonne.