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Im 'Weltempfänger'
Meinen tausendsten Eiskaffee trank ich
zu Banjomusik. Draußen lag die Temperatur bei acht Grad; ebenso tief also,
wie die Wolkendecke am Himmel. Aus den unsichtbaren
Lautsprechern im Café sang eine französische Sängerin französisch.
Mein Eiskaffee enthielt nur ein Bällchen Vanilleeis. Ich war etwas
enttäuscht, aber nicht sehr. Immerhin hatte ich vorher schon 999
Eiskaffees getrunken. In den allermeisten waren zwei Eisbällchen
gewesen. Ich lauschte der Stimme
und bemerkte, dass sie gar nicht französisch sang, sondern englisch.
Sie klang bloß französisch: Verraucht, gleichzeitig melancholisch
und sexy. Ihr Banjo hatten die auch weg gepackt. War das überhaupt
noch die gleiche Band?
Ein alter keltischer Text besagt, dass
man dem Sommer auf die Sprünge helfen kann, indem man Eiskaffee
trinkt. Ich sah zu, wie der freundliche Barmann einer Kundin die Tür
aufhielt. Ihre Hände waren voll Kaffee zum Mitnehmen. Seine Haare
brannten, aber er wollte das so.
Weiter heißt es in dem keltischen
Text, dass ein Eiskaffee, der zur Sommerwetterermunterung getrunkten
wird, im Idealfall eine lange Maccaroni als Strohhalm enthält. Schon
bei den Kelten galt Plastik als verpönt. Ebenfalls lernen wir hieraus,
dass schon sehr früh ein reger Warenaustausch zwischen Italien und
dem restlichen Europa bestanden hat.
Dem Barmann war es zu bunt
geworden. Ich war ganz allein im Gastraum. "Er sucht bestimmt
einen Feuerlöscher für seine Haare", dachte ich und erwog, mit
einem Hechtsprung hinter die Theke zu springen, um schnell nach weiteren
Eisbällchen zu suchen. Stattdessen drehte ich meinen Kopf um 90 Grad
nach rechts. Rock'n Roll, von einer Männerstimme gesungen. Definitiv
eine andere Band. Draußen schien endlich die Sonne.