Max Pothmann | Autor | Bühnenbild & Requisitenbau | Köln-Bonn
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05.04.2026

Die Hoffnung nicht verlieren - Atréju und Gmork in "Die Unendlichen Geschichte" von Michael Ende

Die Hoffnung nicht verlieren. Foto: Wonderlane

Wir leben in Zeiten, in denen sich schwer zu verdauende Episoden aneinanderreihen. Corona-Virus, Krieg in der Ukraine, Horror in Israel, Krieg im Iran. Außerdem ständig lügende Machthaber und eine allgemeine Verblendung gegenüber dem Klimawandel, um nur einige Aspekte zu nennen: Es gibt noch viele mehr.

Nicht nur die makropolitischen Ereignisse lassen mich immer wieder an eine Passage aus Michael Endes "Die unendliche Geschichte" denken. Auch in meinem direkten Umfeld werde ich mit Vorstellungen von Angst und Verzweiflung konfrontiert, die mich daran erinnern. 

Hier ist ein Textausschnitt aus dem Kaptiel "Spuktstadt", Atréju unterhält sich mit dem Halbwesen in Wolfgestalt, Gmork:

»Zur Hoffnung hast du keinen Anlass, Söhnchen – was auch immer du vorhaben magst. Wenn du in der Menschenwelt erscheinst, dann bist du nicht mehr, was du hier bist. Das ist gerade das Geheimnis, das niemand in Phantásien wissen kann.«

Atréju stand da mit hängenden Armen.

»Was bin ich dort?«, fragte er. »Sag mir das Geheimnis!«

Gmork schwieg lange und regte sich nicht. [...] Als er weitersprach, klang seine Stimme rasselnd.

»Hast du das Nichts gesehen, Söhnchen?«

»Ja, viele Male.«

»Wie sieht es aus?«

»Als ob man blind ist.«

»Nun gut –, und wenn ihr da hineingeraten seid, dann haftet es euch an, das Nichts. Ihr seid wie eine ansteckende Krankheit, durch die die Menschen blind werden, sodass sie Schein und Wirklichkeit nicht mehr unterscheiden können. Weißt du, wie man euch dort nennt?«

»Nein«, flüsterte Atréju.

»Lügen!«, bellte Gmork.

Atréju schüttelte den Kopf. Alles Blut war aus seinen Lippen gewichen.

»Wie kann das sein?«

Gmork weidete sich an Atréjus Schrecken. Die Unterhaltung belebte ihn sichtlich. Nach einer kleinen Weile fuhr er fort: »Was du dort bist, fragst du mich? Aber was bist du denn hier? Was seid ihr denn, ihr Wesen Phantásiens? Traumbilder seid ihr, Erfindungen im Reich der Poesie, Figuren in einer unendlichen Geschichte! Hältst du dich selbst für Wirklichkeit, Söhnchen? Nun gut, hier in deiner Welt bist du’s. Aber wenn du durch das Nichts gehst, dann bist du’s nicht mehr. Dann bist du unkenntlich geworden. Dann bist du in einer anderen Welt. Dort habt ihr keine Ähnlichkeit mehr mit euch selbst. Illusion und Verblendung tragt ihr in die Menschenwelt. Rate mal, Söhnchen, was aus all den Bewohnern von Spukstadt wird, die ins Nichts gesprungen sind?«

»Ich weiß es nicht«, stammelte Atréju.

»Sie werden zu Wahnideen in den Köpfen der Menschen, zu Vorstellungen der Angst, wo es in Wahrheit nichts zu fürchten gibt, zu Begierden nach Dingen, die sie krank machen, zu Vorstellungen der Verzweiflung, wo kein Grund zum Verzweifeln da ist.«

»Werden wir alle so?«, fragte Atréju entsetzt.

»Nein«, versetzte Gmork, »es gibt viele Arten von Wahn und Verblendung, je nachdem, was ihr hier seid, schön oder hässlich, dumm oder klug, werdet ihr dort zu schönen oder hässlichen, dummen oder klugen Lügen.«

»Und ich«, wollte Atréju wissen, »was werde ich sein?«

Gmork grinste.

»Das sag ich dir nicht, Söhnchen. Du wirst es sehen. Oder vielmehr, du wirst es nicht sehen, weil du nicht mehr du sein wirst.«

Atréju schwieg und sah den Werwolf mit aufgerissenen Augen an.

Gmork fuhr fort: »Deshalb hassen und fürchten die Menschen Phantásien und alles, was von hier kommt. Sie wollen es vernichten. Und sie wissen nicht, dass sie gerade damit die Flut von Lügen vermehren, die sich ununterbrochen in die Menschenwelt ergießt – diesen Strom aus unkenntlich gewordenen Wesen Phantásiens, die dort das Scheindasein lebender Leichname führen müssen und die Seelen der Menschen mit ihrem Modergeruch vergiften. Sie wissen es nicht. Ist das nicht lustig?«

* * *

Wir brauchen Pragmatismus in dieser Welt, um unsere Probleme zu lösen. Wenn wir aber die Phantasie und die Offenheit vergessen, verurteilen wir uns selbst zum Scheitern.

Als nächstes poste ich - als Gegengewicht sozusagen - etwas über die kürzlich verstorbene Jane Goodall, die sich für Hoffnung eingesetzt hat wie wenige andere.


06.12.2022

Erwachen

 


Es hat auf diesem Blog eine lange Pause gegeben. Bei mir war es eine Mischung aus Elternzeit und Corona. Irgendwann fing beides an, gewissermaßen etwas abzuklingen. Ganz langsam entwickelt meine Tochter erste Fäden von Selbstständigkeit. Und auch wenn Corona langsam zur Nebensache erklärt wird, beschleicht mich das Gefühl, dass Krise fortan Normalität sein wird. 

Durch die lange "Kunstpause", die durch Corona entstanden war, hatte ich quasi meine Sprache verloren. Ich musste und muss meine Beziehung zum Thema Kunst auf ganz neue Füße stellen. Zwar habe ich keinen Zweifel an der Relevanz von Kunst, aber doch muss ich diese Relevanz in Worte oder zumindest Gefühlsbilder fassen können. Nun hoffe ich auf ein Wiedererwachen dieses Blogs. Es ist ja nicht nicht so, als sei nichts passiert... 

17.02.2021

Dank an die Coronakünstler*innenhilfe!

Ein großes und herzliches Dankeschön an die #coronakuenstlerhilfe, die mir in dieser engen Zeit geholfen hat - ich kann weiterarbeiten und durchatmen. 

Wenn du Künster*innen unterstützen möchtest, spende, folge der #coronakuenstlerhilfe auf Instagram oder Facebook oder schau im Shop vorbei! 

Hier der Teaser: