Ich lese zum zweiten Mal und mit noch größerem Genuss die Border Trilogy von Cormac McCarthy. The Crossing, das zweite Buch, ist rauer und unangepasster als das erste, romantischere All the Pretty Horses. Beide erzählen von den Abenteuern junger Cowboys in Mexiko.
In The Crossing überquert der 16-jährige Billy Parham die Grenze, nachdem er eine Wölfin gefangen hat, die er in die Wildnis, aus der sie gekommen ist, zurückbringen will. Die Erzählung der Beziehung zwischen den beiden gehört für mich zu den Perlen der Erzählkunst.
Hier eins meiner Lieblingszitate:
Hier gibt es erstmal die buchstäbliche Bedeutung des Satzes: Wenn ich arbeite, brauche ich gutes, gepflegtes Werkzeug. Die Zeit für dessen Pflege rentiert sich. Außerdem macht mir die Arbeit mehr Freude. Das ist beim Schreinern der Fall, aber auch im Alltag, zum Beispiel beim Kochen mit scharfen oder stumpfen Messern (das war Anthony Bourdains erster Tip fürs Kochen: Besorg dir ein scharfes Messer).
Im übertragenen Sinne finde ich in diesem Zitat das Entschuldigungsverhalten, mit dem man sich selbst daran hindert, die eigenen Träume und Ziele zu verwirklichen oder auch nur ganz allgemein ein Stück über den Tellerrand hinauszuschauen. Ich kann keine lange Reise machen, ich habe kein Geld. Ich kann das Buch nicht lesen oder schreiben, das Bild nicht malen, den Tanz oder die Sprache nicht lernen, weil ich keine Zeit habe. Ich würde gerne ein eigenes Business gründen, aber mein Job ist so angestrengend, dass ich die Energie dafür nicht finde. Ein Kreislauf, der nicht aufhört, wenn man nicht innehält und hochschaut.
So: Consider taking some time to get your bearing and sharpen your tools...
→ ein Tipp: Englische Übersetzungen der spanischen Textstellen in McCarthys Büchern gibt es HIER.
Max Pothmann | Autor | Bühnenbild & Requisitenbau | Köln-Bonn
Mehr Infos auf meiner Webseite www.maxpothmann.de
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31.08.2019
18.12.2010
Falls jemand fragt
Immer wieder trifft man diese wandelnden Lexika. Leute zum Beispiel, die zu jedem halbwegs bedeutenden Album der Rockmusik etwas zu erzählen wissen. Jahreszahl sowieso, aber auch Geheimnisse aus dem Produktionsstudio, wie der zu jener Zeit bevorzugten Droge oder Freundin des Leadsängers.
Wandelnde Filmlexika gibt es auch. Solltet ihr euch in nächster Zeit im Gespräch mit einem Filmlexikon wiederfinden und über 'No Country for Old Men (2007)' der Coen-Brüder sprechen, könnte das Lexikon sagen: In dem Film gibt es (bis auf den Abspann) gar keine Musik! Für diesen Fall habe ich hier ein schönes Schnipselchen Information für euch:
Stimmt nicht! Es gibt genau einen halben Takt! In der Szene, in der Chigurh mit den zwei Texanern zum Ort der Schießerei fährt, wird einmal kurz das Autoradio aufgedreht (Rockmusik, natürlich).
Eine frohe Vorweihnachtswoche wünscht euch -
Max
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